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Wer eher stirbt, ist länger berühmt

Frauentag. Allerorten feierte man ihn diese Woche für die Gleichstellung der Frau, für bessere Arbeitsbedingungen, für gerechten Lohn. Dabei haben die große Politik und schlaue Menschen längst gemerkt: Für echte Gleichstellung reicht ein Tag im Jahr nicht aus. Es braucht auch an den anderen 364 Tagen im Jahr politische Korrektheit.

Die Befürworter von Gleichstellung haben einen ihrer größten Feinde erkannt. Es ist die Verwendung des generischen Maskulinums. Sprich: Lehrer, Chef, Dieb. Obwohl diese Berufsbezeichnungen beide Geschlechter beinhalten, ist die Frau rein sprachlich unsichtbar. Und was nun? Das Binnen-I soll es richten, meinen die einen. Also LehrerInnen, ChefInnen, DiebInnen. Oder man wählt gleich neutrale Formulierungen, um beide Geschlechter einzuschließen: Studierende, Arbeitnehmende, Feuerwehrleute. Sprachliche Spachtelmasse oder tatsächlich ein Weg zumindest zur sprachlichen Gleichstellung der Frau? Wie auch immer: An den skurrilen Auswüchsen von politischer Korrektheit in der Sprache dürften sich Frauen UND Männer erfreuen.

So stellen Städte jüngst immer häufiger fest, dass ihnen weibliche Straßennamen im Stadtbild fehlen und fordern „geschlechtergerechte Stadtplanung“ (ja, wirklich). Während München und Hamburg diese Debatte mehr oder weniger erfolgreich seit Jahren führen, diskutierte der Düsseldorfer Gleichstellungsausschuss tatsächlich über eine Frauenquote bei Straßennamen und spekulierte über eine Königinnenallee.

Berlin ist da schon weiter. In der Hauptstadt suchte ein jüdisches Museum einen Namen für seinen Vorplatz. Der jüdische Philosoph Moses Mendelssohn sollte Pate werden. Doch Moses Mendelssohn fehlte eine entscheidende Qualifikation, um im Stadtteil Friedrichhain-Kreuzberg auf einem Schild verewigt zu werden: Er war keine Frau. Im besagten Viertel gilt nämlich eine strikte Frauenquote für Straßennamen.  Nach einer Petition und monatelangen Debatten gibt es mittlerweile eine Lösung. Auf dem Straßenschild ist nun Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz zu lesen. Bitte wer? Welch Meilenstein der Gleichstellung, es als „Frau von“ auf ein Straßenschild zu schaffen.  

Und wie lässt sich die Causa „geschlechtergerechte Stadtplanung“ nun tatsächlich lösen? Wahrscheinlich gar nicht. Denn Fakt ist nun einmal, dass Straßen, Schulen, Fußballstadien oder Flughäfen in der Regel nach verdienstreichen Personen benannt werden, die aber nicht mehr leben. Kurz: Es gibt zu wenig tote Frauen, die etwas geleistet haben. Wie Sophie Scholl. Clara Zetkin. Annette von Droste-Hülshoff. Wer eher stirbt, ist länger berühmt.

Am Ende ist diese ganze Debatte um weibliche Straßennamen und politische Korrektheit in der Sprache nur Augenwischerei und sollte unnötig sein. Ist sie aber nicht. Was es braucht? Einfach Zeit. Nicht so viel Zeit, dass wir uns wie Merle um die geschützten Männer sorgen müssen. Oder Hoministen für Männerrechte im Matriarchat kämpfen. Sondern nur so viel Zeit, bis wir irgendwann nicht mehr über Gleichstellung reden müssen.