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Arndt reist... auf allen Frequenzen

Die CeBIT ist vorbei! In der bekannten Form und im Wortsinn. Das Lagerfeuer der IT-Branche soll wieder in die Zukunft leuchten, will ein Festival der Innovationen werden, verlässt seinen Zeitraum und erobert einen neuen. Soweit so … nun ja … erforderlich, will die Messe, in Zukunft eben das Festival, auf Dauer wieder die Innovationsschau werden, die sie einmal war.

Derzeit, in der Wahrnehmung von Branchenkennern, abgekocht z.B. durch den Mobile World Congress (MMC) in Barcelona, gehen die Veranstalter in Hannover einen lang ersehnten und vielfach herbeigeschriebenen Schritt: Sie erfinden ihr Produkt neu und nehmen damit zur Kenntnis, dass sich die Dinge fortwährend ändern und nichts auf Dauer bleibt, wie es ist.

Das Schöne an dieser Plattitüde progressiven Denkens ist, dass man sie unmittelbar an eine IT-Messe knüpfen kann, die in ihrer letzten herkömmlichen Ausgabe einmal mehr das Zukunftsthema der kommenden Jahre beschrieben hat: die Digitalisierung unserer Gesellschaft! Ebenfalls zunächst als Plattitüde daherkommend, bei genauerem Hinsehen bereits als Floskel erkennbar, welche jeder in den Mund nehmen darf, der „irgendwas-mit-Medien“ (auch das ist bereits ein ironisch-halbintellektuell abgekautes Floskeldingens) macht, entwickelt sich dieses Thema bei intensiverer Betrachtung zum industriellen und damit einmal mehr gesellschaftlichen Mammutprojekt der kommenden Jahre. Wenn nicht sogar der kommenden Jahrzehnte. Denn rückblickend betrachtet kann man den bevorstehenden Digitalen Wandel durchaus vergleichen mit den beiden Industriellen Revolutionen, einmal angetrieben durch die Erfindung der Dampfmaschine und dann durch die Einführung der seriellen Produktion, die, jeder Abschnitt für sich, nicht in Jahresscheiben zu beschreiben sind. Mit dem Ergebnis, dass sich Gesellschaften so nachhaltig verändert haben, wie es sich die Menschen, damals wie heute, nicht vorstellen konnten.

In diesem Zusammenhang, die Digitalisierung schreitet nebenbei bemerkt schon mit den herkömmlichen mobilen Netzen große Geländegewinne ab, ist es also erstaunlich, wie bräsig in Politik und Tagesmedien dieses Thema behandelt wird. Denn während parlamentarische Hinterbänkler jedweder demokratischen Farbe (von den anderen ist gar nicht zu reden, denn der Begriff Zukunft will einem in diesem Zusammenhang nicht einfallen) ihren verbliebenen Zuhörern der ewig gleich bedienten Wählerschaften mantra-artig die Forderung nach mehr kabelbetriebenem Breitbandausbau (ohne zu wissen, wie kurz gesprungen diese Forderungen sind) daher beten, brennt mit 5G und dem als Narrowband beschriebenen Schwesternetz die nächste Ausbaustufe der Digitalisierung bereits lichterloh in den Entwicklerstuben von Konzernen wie Amazon, Google und Facebook sowie in jenen der heute noch relevanten Netzbetreiber wie Vodafone und der Deutschen Telekom.

Eine kurze statistische Prognose illustriert diese Entwicklung noch einmal ziemlich deutlich: Auf dem Anfang April stattfindenden G20-Gipfel der Digitalisierung, immerhin unter Federführung des Bundesministeriums für Energie und Wirtschaft, schätzt Claudia Nemat, notabene eine der ersten Frauen im Vorstand der Deutschen Telekom AG, dass 65 % der Kinder, die heute in die Grundschule kommen, später einmal in Jobs arbeiten werden, die noch nicht existieren, durch die Digitalisierung aber entstehen werden. Was, by the way (nachhaltig zur Floskel gequatscht), die Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen neu beleuchtet, da ein Argument, welches immer wieder ins Feld geführt wird, nämlich der Wegfall jeder Menge Arbeitsplätze durch die Digitalisierung, scheinbar an Kraft verliert.

Und während sich regionale Tagesmedien und kommunale Politiker beispielsweise und nach wie vor an pseudo-relevanten Themen wie z.B. mehr oder weniger durchdachten Parkraumkonzepten oder an der Vermüllung des Stadtgebietes reiben, gibt es andernorts bereits Lösungen, die den Weg einer modernen Stadtgesellschaft zeigen. Wie zum Beispiel der vernetzte Mülleimer, den der Telekomriese Vodafone jüngst gemeinsam mit der Deutschen Bahn vorgestellt hat. Anhand dieser an sich simplen Idee, bedenkt man die Möglichkeiten heutiger Technologien, lässt sich absehen, wohin die Debatte und später die Reise gehen müssen. Der vernetzte Mülleimer zeigt also seinen Füllstand und dem zuständigen Entsorger auf Dashboards an, wann er seine Pflicht mit Hilfe seiner autonomen Fahrzeugflotte nachkommen muss. Und auch dieser Gedanke hat in einer digitalisierten Welt einen logischen Schönheitsfehler: Ein von Menschen beobachtetes Dashboard, welches Entscheidungsfindung unterstützen soll, braucht später kein Mensch mehr, wenn Fahrzeug und Müllkiste autonom miteinander kommunizieren. Und wo bleibt der Dashboard-Beobachter?

Der in Sachen Gigabit-Gesellschaft derzeit tonangebende Konzern Vodafone, und diese Einschätzung ist keine Lobhudelei eines unseres Kunden, hat in einem schönen Schaubild illustriert, in welchen Themenkreisen sich die Debatten von (Stadt-)Gesellschaften heute bewegen und Politiker und Verwaltungen sich fragen lassen müssen, wie zukunftsfest die Gegenstände ihrer Arbeit sind. Und wie die beiden mobilen Zukunftsnetze im (auch schon wieder zur Floskel geknetenen) Internet der Dinge unser Leben nachhaltig verändern werden.

Hier, sehr geehrte Damen und Herren Medienvertreter, lassen sich Politiker und ihre Versäumnisse relevant und zukunftsfähig stellen.